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musikreviews.de

October 12, 2018

Der musikalische Kopf dieser ELECTRIC EARTH, die anders als mehrere gleichnamige Kapellen aus Schweden stammen, ist Multi-Instrumentalist und Sänger Jonas Beijer, der das aktuelle Album seines Projekts auch produziert hat. Zur Umsetzung seiner Ideen zog der Komponist und Arrangeur zahlreiche Helfer hinzu, u.a. Peter Gottlieb, mit dem er sich die Vocals teilt, und gleich acht Bassisten für jeweils unterschiedliche Tracks.

Dass das Ergebnis letztlich homogen klingt, stand nicht zu erwarten, doch tatsächlich könnte man beim Hören von “Electric Earth” meinen, es mit einer organisch zusammengewachsenen Band zu tun zu haben. Offengestanden klingen nicht wenige Melodic-Rock-Scheiben (auch und gerade aus Skandinavien) klinisch kalt und zusammengeschustert, wovon sich dieses Album also wohltuend absetzt. ELECTRIC EARTH spielen ohnehin viel härter auf als das Gros ihrer Landsleute. An dem einheitlichen Bild mag auch Gitarrist Tommy Scalisi beteiligt sein, der fest an Beijers Seite steht, aber wie dem auch sei …

ELECTRIC EARTH spielen klassischen Heavy Rock, so man dieses Genre-Fass im Gegensatz zu “Hardrock” aufmachen möchte, und haben im Vergleich zu ihrem letzten Album “Leaving For Freedom” einen bis zwei Zähne zugelegt. Davon legen nicht nur die im Sinne des schwarzen Metallica-Albums stampfenden Nummern ‘Invisible Shields’, ‘King Of Ruins’ und ‘Great Earth’ Zeugnis ab; das düstere ‘Seconds Of Satisfaction’ bleibt am Ende sogar als Höhepunkt der Scheibe im Gedächtnis.

… was wiederum nicht bedeutet, der Rest sei beliebiges Gesäusel. ELECTRIC EARTH gehen als kraftvoll swingende Traditionalisten genauso gut ins Ohr (höre den Opener ‘Down By The Water’ oder später ‘Arise Of Dreams’) wie auf der rhythmisch straighten Schiene, die sie vornehmlich befahren.

‘One In A Million’ kommt als leicht bluesige Halbballade nicht richtig aus dem Quark, doch die gut gelaunten Uptempo-Stücke ‘Crossroad Generation’ und ‘Believer machen diesen Ausrutscher wieder wett. Überhaupt gefallen ELECTRIC EARTH am besten, wenn sie Dampf ablassen, weshalb man auch das zurückhaltende ‘Twin Soul’ als Schwächelei abhaken kann. “Blau” wird es erst wieder zum Schluss, wenn Magnus Enorsson im lässigen Ausklang ‘Remedy’ in die Tasten langt. Der Keyboarder gehört übrigens zu mehreren Gastinstrumentalisten, deren prominentester Viersaiter Jörgen Carlsson von Gov’t Mule sein dürfte.

FAZIT: Eine rundum gelungene, vor allem aufgrund tief gestimmter Klampfen modern klingende, aber traditionell ausgelegte Hardrock-Scheibe.

Andreas Schiffmann
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